Vor gut einem Jahr schrieb ich im Artikel Ade, Gedankenwirrwarr darüber, wie ich meine Ziele, Projekte und Aufgaben mit Logseq im Blick behalte. Nun habe ich etwas Neues entdeckt und direkt mal ausprobiert.
Mindwtr ist ein komplettes Aufgaben-System, das auf der bewährten Getting Things Done Methode (GTD) von David Allen aufbaut.
Wie funktioniert GTD? Ganz grob so:
-
Erfassen
Der erste und wohl wichtigste Schritt besteht darin, alles, was dir im Kopf herumschwirrt, sofort aufzuschreiben, um so dem unguten Gefühl entgegenzuwirken, etwas vielleicht sehr Wichtiges aus dem Blick zu verlieren. Für diese unausgereiften Gedanken gibt es in Mindwtr einen eigenen Bereich, der sich Posteingang nennt. -
Klären
Diesen Posteingang schaust du dir später im Tagesverlauf genauer an, wenn du die nötige Ruhe dafür hast. Und dann entscheidest du dich, ob du den Gedanken weiter verfolgst oder wieder verwirfst. Erfahrungsgemäß lassen sich einige dieser Gedanken in zwei Minuten erledigen. Und das solltest du dann auch direkt tun und nicht den Fehler begehen, diesen Gedanken erst noch ins System einzugliedern. Auch wenn dich das zunächst aus dem Arbeitsfluss bringt (nämlich deinen Posteingang weiter durchzusehen). -
Organisieren
Einen Gedanken, den du weiter verfolgen möchtest, gliederst du ins System ein. Es gibt verschiedene Attribute, die du deinen Gedanken zuordnen kannst, zum Beispiel- Liste: Nächster Schritt, Warten (auf jemanden), Vielleicht irgendwann oder Referenz (Ablage)
- Kontext: Worin besteht das Tun? Zum Beispiel ein Buch lesen.
- Stichwörter: Zum leichten Wiederfinden des Gedankens kannst du beliebig viele Stichwörter vergeben.
- Priorität: Hoch, mittel, niedrig oder keine.
- Energielevel: Wie viel mentale Kraft kostet es dich, diesen Gedanken fortzuführen?
- Projektzuordnung: Größere Aufgaben brichst du in kleinere Aufgaben herunter.
-
Reflektieren
Der wöchentliche Review bildet das Kernstück von GTD. Wöchentlich sichtest du alle deine Listen, aktualisierst sie und entfernst abgeschlossene Aufgaben. Erst durch diese regelmäßige Überprüfung gewinnst du Vertrauen in dein System und umgehst das Gefühl, Wesentliches zu übersehen. -
Erledigen
Das ist der Moment der eigentlichen Arbeit. Da du durch die vorherigen Schritte genau weißt, was ansteht, worauf du wartest und was aktuell wichtig für dich ist, kannst du dich ohne schlechtes Gewissen auf deine Aufgaben stürzen. Du entscheidest basierend auf deiner aktuellen Situation (wie viel Zeit hast du gerade? Wie viel Energie verspürst du?), welche Aufgabe als Nächstes am sinnvollsten ist.
Nicht ganz unwichtig ist natürlich auch, dass du jederzeit Zugriff auf dieses Aufgaben-System hast. Mindwtr gibt es für alle gängigen Betriebssysteme. Ich habe es bei mir unter Linux auf dem Desktop installiert, wo ich es hauptsächlich nutze, aber auch auf meinem Android Smartphone, welches ich eigentlich immer mit mir herumtrage. Und da stellt sich dann als nächstes die Frage, wie synchronisieren sich die Apps eigentlich untereinander? Mindwtr unterstützt da verschiedene Systeme, unter anderem WebDAV, wofür ich mich entschieden habe. In der Praxis funktionierte dies bisher auch problemlos.
Ein paar Dinge vermisse ich in der App. So etwa eine Übersicht über die Aufgaben, die ich kürzlich bearbeitet habe. Oder eine tabellarische Übersicht über unvollständige Aufgaben, denen noch gewisse Zuordnungen fehlen (sowas wie Energielevel etwa). Dafür habe ich mir kleine Skripte geschrieben, die direkt auf die SQLite-Datenbank von Mindwtr gehen. Wenn dich das interessiert, wirf mal einen Blick auf meine Gitea-Instanz.
Mir gefällt an Mindwtr auch, dass ich die KI meiner Wahl über einen MCP-Server an Mindwtr anbinden kann. Das habe ich natürlich auch mit meinen lokalen Modellen (Ollama) ausprobiert, aber da stößt mein Notebook schnell an seine Grenzen. Antworten lassen lange auf sich warten, sodass es selten sinnvoll erscheint. Cloud-Dienste möchte ich nicht nutzen, dafür sind mir die Daten dann doch zu privat. Technisch musste ich etwas tricksen, da ich ganz gern Page Assist für solche Aufgaben verwende und es als Browsererweiterung natürlich nur auf Streams zugreifen darf:
npx -y supergateway --stdio "npx -y mindwtr-mcp" --port 8808 --cors --outputTransport streamableHttp
Ich nutze Mindwtr jetzt seit etwa zwei Wochen und muss sagen, dass es einen guten Eindruck hinterlassen hat. Inzwischen habe ich auch fast alles darin erfasst, was mir wichtig ist. Es läuft stabil, machte in dieser Zeit keinerlei Probleme. Ich gebe dem Tool eine Chance.