Weniger Code, mehr Substanz

3 Minuten

Ponytail ist ein Regelwerk für KI-Agenten und bringt sie dazu, so zu denken wie ein erfahrener Senior-Entwickler, der seit vielen Jahren im Unternehmen sitzt: Er schaut sich fünfzig Zeilen Code an, sagt nichts und ersetzt sie durch eine einzige.

Das Motto von Ponytail lautet

Der beste Code ist der, den du nie geschrieben hast.

Code, den man gar nicht erst schreibt, enthält schlicht keine Fehler. Das primäre Ziel ist aber nicht, möglichst kompakten Code zu schreiben, sondern sich bei der Umsetzung der Aufgabe auf das Nötigste zu beschränken. KI-Agenten neigen nämlich dazu, sofort drauflos zu programmieren und dabei Dinge zu bauen, die es schon gibt oder die viel zu groß geraten. Das Regelwerk soll das verhindern. Erst die einfachen Lösungswege prüfen. Und nur wenn die nicht anwendbar sind, selbst Code schreiben.

Das Regelwerk selbst ist überschaubar:

  1. Muss das überhaupt existieren? Wenn nein, wird es weggelassen. YAGNI (You Aren't Gonna Need It).
  2. Gibt es das bereits in der Codebasis? Dann wird es wiederverwendet, nicht noch mal neu geschrieben.
  3. Kann eine Standardbibliothek das erledigen? Dann wird sie genutzt.
  4. Kann die Plattform das nativ? CSS statt JavaScript, Datenbankrestriktionen statt eigener Code.
  5. Löst eine bereits installierte Komponente das? Dann wird sie genutzt.
  6. Geht es in einer Zeile? Dann ist es eine Zeile.
  7. Eigener Code: Nur den Code schreiben, der wirklich nötig ist.

Das Paradebeispiel ist ein Date-Picker: Ohne Ponytail installiert der KI-Agent flatpickr, schreibt eine Wrapper-Komponente, fügt ein Stylesheet hinzu und diskutiert über Zeitzonen. Am Ende stehen 404 Zeilen. Mit Ponytail bleibt es bei einer einzigen:

<!-- ponytail: browser has one -->
<input type="date">

Der Browser kann das seit über einem Jahrzehnt nativ.

Nach der Installation ist Ponytail standardmäßig in jeder Session aktiv und das Regelwerk kommt zur Anwendung. Die Installation erfolgt entweder als Plugin (mit zusätzlichen Befehlen und Mode-Schaltern) oder aber als Skill-Datei, die nur die Regeln enthält.

Über das /ponytail Kommando kann man zwischen den drei Modi wechseln:

  1. lite Die Regeln finden in der Lösung keine direkte Anwendung, Ponytail schlägt Optimierungen nur vor. Dadurch hat man mehr Kontrolle.
  2. full Das Regelwerk kommt wie beschrieben zum Einsatz. Standardmäßig aktiv.
  3. ultra Ponytail knöpft sich auch die Aufgabe vor. Ungenau beschriebene Anforderungen werden im Zweifel verworfen.

Das Plugin bringt weitere Kommandos mit:

  • /ponytail-review prüft die aktuellen Änderungen auf Über-Engineering und liefert Vorschläge.
  • /ponytail-audit prüft das gesamte Repository auf Über-Engineering, nicht nur die aktuellen Änderungen.
  • /ponytail-debt listet sämtliche Code-Kommentare von Ponytail auf. Sie zeigen, wo Ponytail beim Programmieren Kompromisse eingegangen ist.
  • /ponytail-gain zeigt die gemessene Wirkung des Regelwerks in einer Übersicht.

Ponytail ist auf Frontier-Modelle ausgelegt, die Anweisungen zuverlässig folgen. Bei der Nutzung kleinerer Modelle (wie llama3.2) können die Ergebnisse Nutzerberichten auf Reddit zufolge von schlecht bis unbrauchbar reichen. Die Meinungen gehen zwar auseinander, aber neben besser wartbarem Code sollen die generierten Token um etwa 10–20 % geringer ausfallen. Benchmark-Tests von Ponytail zufolge reduzieren sich die Codezeilen um durchschnittlich 54 % und der Tokenverbrauch um 22 %.

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